Verkehrswende jetzt!

Verkehrswende jetzt!

Gerade im Bereich Verkehr geht es mit dem Klimaschutz so gut wie gar nicht voran. So richtig verwundert uns das nicht – insbesondere in unserer Region. Grund genug mal wieder auf die Straße zu gehen!

Heute um 14:00 Uhr war es soweit. Bei strahlendem Sonnenschein hörten wir zwei Redebeiträge und liefen dann hochmotiviert und mit alten und neuen Demosprüchen durch die Stadt. Zum Schluss gab es noch Musik.

Für alle, die heute leider nicht dabei sein konnten, haben wir zwei Redebeiträge für Euch vorbereitet. Unten findet ihr das Video mit der Rede von Harald Walsberg vom VCD und hier den Redebeitrag von Emilie von Fridays for Future Braunschweig:

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„Es ist schon wieder soweit. Seit 2019 streiken wir dafür, dass unsere Lebensgrundlage in der Zukunft gesichert sein wird.

Die Politik und Gesellschaft reagierte, aber langsam, träge und nicht im Rahmen der eigenen Klimaschutzziele. Es ist immer noch ein Thema, wo Menschen oberflächlich von wissen, aber das meist verdrängt wird. Wissen tun wir darüber, aber danach handeln ist ein nicht greifbares Konzept für viele.

Es muss sich sehr viel ändern und das alte Rezept funktioniert nicht mehr. Das Verbrennen von fossilen Energieträgern für wirtschaftliche Zwecke hat früher vielleicht funktioniert, aber scheint heute nur noch lächerlich und gefährlich. Wenn hier die Ernten ausfallen, 100 Millionen Klimaflüchtlinge nach Europa kommen und die Meeresspiegel steigen, muss man schon etwas durchgedreht sein, um sich dann noch über die wirtschaftlichen Gewinne zu freuen, die diese Zerstörung in Kauf genommen hat.

Aber es ist so unangenehm. So unangenehm darüber nachzudenken, was die Konsequenz über das Wissen über die Klimakrise bedeutet. Sollen wir heute tanken oder lieber versuchen die Verkehrswende zu schaffen? Sollen wir weitere SUVs in den Markt bringen oder auf Bus, Bahn und Fahrrad umsatteln? Sollen wir Autoliebhaber verzeihen und uns nach Ihnen richten oder sie beleidigen und Stimmen verlieren, aber dafür nach unseren eigenen Prinzipien handeln? Brauchen wir das Geld aus der Autoindustrie dringender als die zukünftigen Generationen Wasser und Essen brauchen?

Warum wurde in Deutschland immer noch nicht die Verkehrswende umgesetzt??? Dumme Frage ich weiß. Es ist natürlich die Autolobby. Auch hier in Braunschweig.

In Braunschweig wurden bis 2018 nur 2% der Gesamtemissionen reduziert, während andere Bereiche 40% geschafft hatten. Gerade jetzt wird der Mobilitätsentwicklungsplan erarbeitet, aber der hatte zu Anfang keine Zielsetzung mit eindeutigem Klimabezug und jetzt immer noch nicht. Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass Klimaschutz eine Priorität hat und Verbände, die zur Verkehrswende arbeiten, mussten bisher die Stadt immer wieder an Klimaschutzmaßnahmen erinnern und gegen Autovertretern verteidigen. Der Ratsentscheid sollte schon letztes Jahr umgesetzt werden, aber ist es noch nicht ansatzweise. Dabei hat sich jede demokratische Partei zum 1,5 Grad Ziel bekannt. In Braunschweig gab es sogar schon einen Ratsbeschluss bis 2030 klimaneutral zu werden. Doch wie es scheint, muss jeder Schritt der Verkehrswende Stück für Stück eingefordert werden, obwohl die Verantwortung bei den mächtigeren Playern liegt.

Deswegen sind wir hier.

In Leipzig gab es letztes Wochenende eine Demonstration gegen den Ausbau der A20. Das der Bau von Autobahnen zu mehr Autoverkehr führt ist längst bewiesen. Außerdem geht diese Autobahn durch Moore in Niedersachsen, sie sonst CO2 einspeichern würden, würde man ihre Existenz nicht vernichten. Die Prioritäten der Landesregierung scheinen wohl komplett anders zu sein, als sich um das Wohl der Weltgemeinschaft zu scheren. Jedenfalls was das Thema Autos betrifft. Es ist einfach zu unangenehm sich gegen die Autolobby zu behaupten.

Es ist bei der Verkehrswende wichtig, die Hauptlast bei den großen Playern zu haben und Verkehr sozial gerecht zu gestalten. Das ist mit Öffenlichem Personenverkehr auch viel einfacher umzusetzen. Aber auch solche überfälligen einfachen Maßnahmen wie ein Tempolimit haben keine akute Priorität. Dazu meinte unser neuer FDP-Verkehrsminister Volker Wissing, dass der Aufwand die Schilder zu produzieren und aufzuhängen für 3 Monate zu hoch wäre. Wenn das so ein Problem ist, können wir die gerne länger stehen lassen.

Ich finde persönlich auch nicht, dass es ausreicht ein paar Prozent der Autoherstellung auf E-Autos umzustellen und dann zu sagen, dass man Teil einer Verkehrwende ist. Fossile Verbrenner werden immer noch in Massen hergestellt und verkauft. Der Wahnsinn, dass Klimaschutz eine Imagefrage ist und keine Frage, die einen selbst betrifft und vor allem strukturell benachteiligte Personen, ist bekannt und immer noch schockierend.

Pazifische Inselstaaten, deren Lebensgrundlage schon jetzt durch die Klimakrise und den steigenden Meeresspiegel zerstört wird, fordern, dass Staaten, die die Klimakrise verursachen, ihr Überleben nicht auf’s Spiel setzen. Ein passives Verbrechen, dass jetzt schon stattfindet, aber hier zum Arbeitsalltag gehört. Wir sind soziale Wesen, aber müssen wir uns wirklich an Klimaverbrechen anpassen, damit wir unseren Arbeitsplatz oder unsere wirtschaftlichen Gewinne nicht verlieren?

Ich glaube wir können uns schon verändern. Wir können schon authentische Entscheidungen treffen. Wir können schon versuchen die Verkehrswende voranzubringen, selbst wenn es unangenehm ist. Die Mittel, die Forschung, die Menschen sind schon da.
Wir müssen nur noch handeln und den Widerstand zu Veränderung in Kauf nehmen.“

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Paula