Zur Klimaneutralität gehört auch, sich von der Verwendung fossiler Brennstoffe beim Heizen zu verabschieden, so auch zum Beispiel vom Erdgas. Bundesweit soll es 2045 soweit sein. Ebenso wie Baden-Württemberg hat sich auch Niedersachsen dieses Ziel schon für das Jahr 2040 gesetzt. In Braunschweig war mal von 2030 die Rede.
So eine Umstellung geht nicht von heute auf morgen. Die Art zu heizen wird nicht jeden Tag neu entschieden. Daher braucht es eine klare Strategie und eine umsichtige und vor allem frühzeitige Kommunikation.
Der Mannheimer Energieversorger MVV hat bereits im November 2024 als erster Gasnetzbetreiber in Deutschland angekündigt, bis 2035 aus der Gasversorgung auszusteigen. Zehntausende Haushalte müssen bis dahin ihre Heizung umrüsten. Ganz ohne „Reibungsverluste“ verläuft es auch dort nicht.
Können die das einfach so machen?
Das Energiewirtschaftsgesetz ist ein zentrales Instrument für die Transformationsplanung der Gasnetze. Es gibt Netzbetreibern die rechtliche Grundlage, Gasnetze stillzulegen, wenn diese für die klimaneutrale Wärmeversorgung nicht mehr benötigt werden.
Ein zentraler Baustein ist auch die Informationspflicht zum Thema Gasausstieg, damit Immobilienbesitzer die Möglichkeit haben, sich rechtzeitig mit den Alternativen wie Fernwärme oder Wärmepumpe auseinanderzusetzen. Das Energiewirtschaftsgesetz wird derzeit überarbeitet und sieht im aktuellen Entwurf folgende Regelungen vor:
- 10 Jahre vor einem geplanten Ausstiegstermin erfolgt eine erste Information hierzu in Form einer Einreichung eines Netzplanes.
- 5 Jahre vor dem geplanten Termin erfolgt eine zweite Information mit der Bestätigung des Netzplanes.
Zusätzlich bestehen Informationspflichten unter anderem über mögliche Übergangslösungen sowie Alternativen für die Energieversorgung.
Was war da los in Mannheim?
Nachdem der Mannheimer Energieversorger MVV die Stilllegung angekündigt hatte, sprach sich der Gemeinderat dagegen aus, ein festes Datum zu nennen.
Die MVV teilte mit, das Jahr 2035 sei nicht unbedingt ein festes Datum, sondern vielmehr ein Zielkorridor. Dies ist insofern nachvollziehbar, als das Gasnetz einer ganzen Stadt nicht von einem Tag auf den anderen ersetzt werden kann.
Immerhin: Dass die öffentliche Diskussion über das bevorstehende Ende der Gasheizung begonnen hat, rückt diese Tatsache ins Bewusstsein der Bevölkerung. Die Menschen sind sensibilisiert, können sich informieren und rechtzeitig Entscheidungen treffen.
„Wenn wir jetzt nichts sagen, dann wird die Zahl derer, die ihre Gasheizung nur kurz nutzen können, größer werden.“, so Georg Müller, MVV-Chef im Mannheimer Gemeinderat
Warum ist das wichtig?
Ab dem Jahr 2027 ist der Gaspreis nicht mehr an den CO2-Preis gekoppelt, sondern wird über den EU-Emissionshandel auf dem freien Markt gebildet. Hierdurch wird eine deutliche Steigerung erwartet. Allein aus diesem Grund werden sich viele bisherige Gaskunden für eine Alternative entscheiden. Da die Netzkosten aber auf alle Kunden umgelegt werden, erhöht sich der Gaspreis nochmal deutlich, je weniger Menschen insgesamt Gas nutzen.
Dies spricht für einen zügigen Ausstieg um die Kosten für den einzelnen Verbraucher im Rahmen zu halten.
Zusätzlich zum genannten Ausstiegsziel gibt es in Mannheim zahlreiche weitere Informationsangebote:
Auf der Seite der Klimaschutzagentur Mannheim (www.klima-ma.de) gibt es Informationen und Beratungsangebote zu den Themen:
- Finanzierung und Förderung
- Fachpartnersuche
- Wärmepumpencheck
- Übersicht der Energieberater
Die SPD in Mannheim spricht sich für die Einrichtung eines Hilfs-Fonds aus, der Privatpersonen sowie Gewerbetreibende vor existentiellen Bedrohungen durch die Abschaltung des Gasnetzes schützen soll.
In Braunschweig ist bereits im Jahr 2040 Schluss mit der Erdgasverbrennung. Es ist zu hoffen, dass die Stadt sich an Mannheim ein Beispiel nimmt und auch bei uns eine umfangreiche Kommunikation der Ausstiegspläne erfolgt, um Menschen Planungssicherheit zu geben und vor falschen Investitionen zu schützen.