Unverpackt einkaufen?

Unverpackt einkaufen?

Die Produktion von Verpackungen kostet Geld, Energie und Ressourcen. Überflüssige Verpackungen werden oft genutzt um als Werbefläche zu fungieren oder um mehr Inhalt zu suggerieren.
Später häufen sie sich bei uns zu Hause zu Müllbergen an und werden dadurch ein weiteres Mal zum Umweltproblem. Bei der Umweltverträglichkeit kommt es auf die Art der Verpackung an. Problematisch bezüglich Erzeugung und Recycling ist dabei folgendes:

Papier:
Papier besteht aus nachwachsenden Rohstoffen und kann gut recycelt werden. Besonders bei der Herstellung von Kartonagen wird häufig komplett auf Altpapier zurückgegriffen. Zudem ist die Papiertüte als Abfall umweltverträglich. Sie verrottet vollständig und kann sogar in der Regel kompostiert werden. Allerdings benötigt eine Papiertüte in der Produktion erst mal mehr Ressourcen und Energie als die Plastiktüte. Daher ist sie als Einweg-Verpackung durchaus auch in der Kritik.

Glas:
Glas kann gut recycelt werden, da es sehr oft wieder eingeschmolzen werden kann. Da aber die erste Produktion vergleichsweise energieaufwändig ist, sind Einweggläser als Verpackung längst nicht so umweltschonend wie Pfandgläser. Glas ist zudem vergleichsweise schwer und verursacht beim Transport einen hohen Energieaufwand.

Aluminium:
Konservendosen benötigen eine Menge Energie in der Herstellung. Sie sind daher nicht empfehlenswert. Im Recycling sieht die Bilanz deutlich besser aus als beim Plastik, allerdings ist hier der Energieaufwand im Vergleich zu anderen Materialien immer noch vergleichsweise hoch. Zum Glück gibt es Mais beispielsweise inzwischen auch überall im Glas. Schade, dass dies keine Mehrwegbehälter sind.

Plastik:
Eine Plastiktüte benötigt in der Herstellung weniger Ressourcen und Energie als eine Papiertüte, wird allerdings in der Regel aus Erdöl hergestellt und stellt uns als Müll vor fast unlösbare Probleme, weil Plastik nicht verrottet. Das Recycling ist energieintensiv. Daher wird ein großer Teil des Plastikmülls verbrannt oder landet in der Natur. Im Meer befinden sich schon jetzt 142 Mio. Tonnen Plastikmüll und bedrohen Tiere, Pflanzen und Lebensräume. Jedes Jahr kommen 10 Mio. Tonnen hinzu. Die Verschmutzung an Land ist noch erheblich höher. Über die Verschmutzung des Ackers landet das Mikroplastik dann schließlich auf unserem Teller. Lecker. Plastik ist aus unserem Leben sicherlich nicht wegzudenken. Aber das Verbot von Einweg-Plastik-Verpackungen wird in vielen Ländern zu Recht diskutiert. Wir sollten auf Plastik verzichten, wo immer es uns möglich ist.

Mischmaterialien:
Dies ist sogar noch eine Steigerung zur Plastikverpackung: Beschichtete Papiertüten oder andere Verbundmaterialien lassen sich nämlich gar nicht recyceln und sind daher zu vermeiden.

Eine wirklich umweltschonende Einwegverpackung gibt es also gar nicht. Die umweltschonendste Methode ist daher der unverpackte Einkauf. Hierfür vier einfach umzusetzende Tipps:

  1. Mehrwegverpackungen
    Leinenbeutel oder Korb mitnehmen: Obst und Gemüse lassen sich leicht unverpackt einkaufen. Vom Markt oder aus der Gemüsekiste vom Bio-Hof. Im Supermarkt kann man einen Mehrwegbeutel verwenden. In einigen Supermärkten darf man sogar an der Frischetheke Käse und Wurst in selbst mitgebrachten Boxen mitnehmen. Dasselbe gilt für Bäckereien.
  2. Mehrweg statt Einweg
    Glas ist eine ganz gute Lösung, vor allem, wenn es mehrfach verwendet wird. Dies gilt für die meisten Getränke, inzwischen aber auch für Joghurt, Quark und Frischkäse.
  3. Selber machen
    Wenn wir das unverpackte Gemüse selbst verwerten, anstatt Fertiggerichte zu kaufen, spart auch dies Verpackung und ist zudem gesünder. Noch besser ist natürlich das eigene Gemüse aus dem Garten: unverpackter, regionaler und gesünder geht es kaum. Übrigens können auch Reinigungsmittel und Kosmetika selber hergestellt werden!
  4. Unverpackt-Läden
    In vielen Städten gibt es inzwischen Unverpackt-Läden. (Hier eine Auflistung aller Unverpackt-Läden in Niedersachsen und Bremen) Hier wird auf jede überflüssige Verpackung verzichtet. Um die Lebensmittel nach Hause transportieren zu können, bringt man eigene Behälter mit. Diese werden vor dem Einkauf gewogen, damit man auch nur den Inhalt bezahlt. Somit ist ein Einkauf im Unverpackt-Laden nur bedingt für Spontaneinkäufe geeignet. Aber vielleicht liegt Dein Unverpackt-Laden ja auf einem Deiner täglichen Wege, so lassen sich die Einkäufe gut in den Alltag integrieren. Die ruhige Atmosphäre dort trägt nebenbei zur Entschleunigung bei. Unverpackt-Läden sind leider oft recht teuer. Allerdings sind die Lebensmittel in Unverpackt-Läden meistens auch in Bio-Qualität und stammen oft aus regionalen Quellen. Aber vielleicht muss man ja auch nicht von heute auf morgen seinen gesamten Einkauf im Unverpackt-Laden erledigen. Außerdem kann man – anders als in einem Supermarkt – alle Lebensmittel in der Menge kaufen kann, in der man sie benötigt. Schaut einfach mal vorbei: Allein das Entdecken neuer Alternativen, neuer Produkte und Vorgehensweisen ist eine Bereicherung!

Unverpackt einzukaufen ist eine Herausforderung. Wir alle sollten uns mit dem Thema beschäftigen, aber zugleich gucken, wo unsere Möglichkeiten und Grenzen sind und was zu unserem Alltag passt. Können Pfandflaschen noch mit dem Fahrrad transportiert werden? Passen Unverpackt-Läden zu meinem Geldbeutel?
Meine Familie und ich haben vieles ausprobiert, was den Plastikmüll reduziert. Von manchen umständlichen Lösungen haben wir wieder Abstand genommen, vieles ist inzwischen zur Selbstverständlichkeit geworden. Und als der Inhalt unserer gelben Tonne sich von Woche zu Woche immer weiter reduzierte, war das ein echt tolles Gefühl.

 

 

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Paula