Dekade des Handelns?

Dekade des Handelns?

Fast genau 6 Jahre ist es her, dass wir den Beitrag Klimawandel: Dekade des Handelns 2020-2030“ veröffentlicht haben. Über die Hälfte dieser „Dekade“ ist nun vorbei.

Ich erinnere mich noch gut an diese Zeit. Wir waren empört, entschlossen, besorgt, aber sehr motiviert: Wir wussten: Die kommenden 10 Jahre werden darüber entscheiden, ob wir die Kurve noch kriegen im Kampf gegen die Klimakrise.

Es war die Hochzeit der Klimastreiks. Und es gingen nicht nur junge Menschen auf die Straße, auch immer mehr ältere Menschen schlossen sich an und zeigten ihre Solidarität und ihre Betroffenheit. Es war eine Aufbruchstimmung mit viel Hoffnung auf grundlegende Veränderungen. Auf eine bessere Zukunft. Auf eine gesündere und gerechtere Welt für alle.

Viele Stimmen warnten schon damals: Der Zug ist jetzt schon abgefahren. Das System ist zu träge. An den entscheidenden Stellen dominieren andere Interessen. Wir wollten diese Stimmen nicht hören, oder zumindest nicht von ihnen unseren Enthusiasmus dämpfen lassen. Uns war klar: „in dieser Dekade werden wir gemeinsam die Klimakrise meistern müssen“. Ein „ob“ durfte es nicht geben.

Wie liest sich der Beitrag heute?

Schon heute, sechs Jahre später, liest sich der Beitrag wie ein Stück Zeitgeschichte. Oberflächlich betrachtet, ist eine Seifenblase zerplatzt. Die Co2-Emissionen steigen unaufhörlich weiter. Klimastreiks werden immer seltener und kleiner. Einige Menschen haben erschöpft aufgegeben oder sich ganz einfach wieder den Herausforderungen des Alltags gewidmet. Zudem wissen viele Menschen gar nicht, wie sie mit den vielen verschiedenen Krisen gleichzeitig umgehen sollen.

Das ist aber nicht die ganze Wahrheit:

Viele Menschen sind weiterhin aktiv. Vielleicht nicht mehr bei einer der For-Future-Gruppen, dafür bei Umweltorganisationen, in der Lokalpolitik, in privaten Gartenprojekten oder beim foodsharing. Viele Bekanntschaften und Allianzen haben sich gebildet. Was aber noch viel wichtiger ist: Das Thema „Klimaschutz“ ist in der Mitte der Bevölkerung angekommen. Diejenigen, die den menschengemachten Klimawandel völlig abstreiten, sind leiser geworden. Und manches, was am Anfang der Dekade noch wie eine Utopie klang, wird inzwischen auf politischer Ebene und in der Verwaltung ernsthaft diskutiert, teilweise sogar angegangen: Begrünung der Innenstädte, Schwammstadtmodelle, Photovoltaik auf öffentlichen Dächern, Mobilitätswende, Klimabildung an Schulen, und zum Beispiel das Nachhaltigkeitszentrum.

Auch die Akzeptanz für globale Maßnahmen wird immer größer. Und die gibt es, mehr als je zuvor: In den Gremien, die EU-Richtlinien aushandeln und formulieren und in den Gremien, die diese Richtlinien und nationales Recht umsetzen.

Eines wußten wir schon vor sechs Jahren sehr genau: Klima-Aktivismus ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Also bleibt für uns nur eins zu tun: Dranbleiben!

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Paula