Wut – Kraftquelle in Krisen

Wut – Kraftquelle in Krisen

Wut – dieses Gefühl kennen wir alle. „Wut – Kraftquelle in Krisen“ ist zu diesem Thema ein interessantes Angebot, das sich speziell an Frauen wendet. Es ist ein zweistündiger Workshop, der von den Psychologists for Future Samstag, 21.3.2026 von 10-12 Uhr im Nachhaltigkeitszentrum, Bohlweg 55 angeboten wird.

In der Programmankündigung heißt es: „Im Workshop begeben wir uns auf die Spur zu unserer Wut und wie wir sie nutzen können, um gegen Klimakrise und Patriarchat aktiv zu sein. Anmeldung: braunschweig@psychologistsforfuture.org.“

Natürlich ist es kein Zufall, dass der Workshop sich an Frauen richtet, denn am 8.März wird der Internationale Frauentag gefeiert und der Workshop ist Teil einer frauenpolitischen Veranstaltungsreihe, die noch bis zum 22. März läuft. Das 8.März-Bündnis Braunschweig gestaltet seit fast vierzig Jahren mit inzwischen 38 beteiligten Gruppen und Institutionen ein vielfältiges Programm, das jedes Jahr unter ein neues Motto gesetzt wird. In diesem Jahr ist das Thema „Wut“.

Natürlich haben nicht nur Frauen viele Gründe, um wütend zu sein. Allein die Erkenntnis, dass der CO2-Ausstoß nach wie vor steigt, bringt viele Menschen verständlicherweise in Rage. Zugleich steigt jedoch auch die Gewalt gegen Frauen und die Erschöpfung der Menschen, die Sorgeaufgaben übernehmen.

Die Psychologists for Future, die Teil des 8.-März-Bündnisses sind, stellen mit ihrem Workshop-Angebot einen Zusammenhang zwischen Klimakrise und Patriarchat her. Sie machen damit deutlich, dass wir beides in den Blick nehmen müssen, um voranzukommen. Die Klimakrise ist ohne soziale Gerechtigkeit nicht zu bewältigen, dies gilt für das Gefälle zwischen Reich und Armen, zwischen dem globalen Süden und dem globalen Norden und ebenfalls für die Geschlechtergerechtigkeit. Umgekehrt verschärfen Krisen, Kriege und Katastrophen überall soziale Ungerechtigkeiten und lassen die Entrechtung von Frauen wieder ansteigen.

Die Zusammenhänge zwischen Klimakrise und Geschlechtergerechtigkeit sind komplex:

  • Frauen sind von den Auswirkungen der Erderhitzung anders und vielfach härter getroffen.
  • Frauen sind im Durchschnitt eher als Männer zu klimaschonenden Verhaltensänderungen bereit.
  • Frauen sind weltweit an der Basis der Klimagerechtigkeitsbewegung sehr aktiv, in den oberen Entscheidungsgremien aber kaum vertreten.

Dies sind nur ein paar Stichworte dazu, warum „die Herstellung der Geschlechtergerechtigkeit“ als eine der wesentlichen Stellschrauben benannt wird, um die Erderhitzung zu stoppen. Mehr dazu findet ihr in unserem Artikel „Klimakrise und Geschlechtergerechtigkeit“.

Inzwischen gibt es noch umfangreichere Erkenntnisse zu dem Zusammenhang zwischen patriarchalen Strukturen und der fortschreitenden Klimakrise. Dazu finden sich auch im 4. Gleichstellungsbericht der Bundesregierung spannende Forschungsergebnisse.

Vor allem in Bezug auf die sozialökologische Transformation der Arbeitswelt zeigt sich, dass Maßnahmen, die dem Klima zu Gute kommen, positive gleichstellungspolitische Auswirkungen haben können – wenn die klimapolitischen Maßnahmen sich nicht nur auf einen Austausch von Technologien beschränken.

Hierfür zwei Beispiele:

  • Die Ausweitung von Erwerbsarbeit hat eine klimaschädliche Wirkung. Dementgegen würde eine Reduzierung der Vollarbeitszeit (natürlich bei vollem Lohnausgleich!) die Emissionen reduzieren und auch die menschlichen Ressourcen schonen. Insbesondere Menschen, die neben der Erwerbsarbeit noch Sorgeverantwortung für andere tragen, würden hierdurch entlastet. Eine verkürzte Vollzeit – wie Gewerkschaften sie schon längst fordern – wäre der Schlüssel zu einer gleichberechtigten Aufteilung der Sorgearbeit – und würde – ganz nebenbei – auch dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Denn der Fachkräftemangel in sorgenden Berufen beruht weniger auf einem Mangel an Menschen, sondern liegt viel mehr an Jobflucht, unattraktiven Arbeitsbedingungen, schlechter Entlohnung, hohen Fehlzeiten und chronischer Erschöpfung der Beschäftigten.
  • Eine Stärkung von klimaschützenden und klimaneutralen Berufszweigen ist wichtig, um das Klima zu schonen und den notwendigen Strukturwandel sozial verträglich vorantreiben. Zu den klimaneutralen Berufen gehören viele Branchen im Dienstleistungsbereich, aber auch pädagogische, soziale und pflegende Berufe, also Bereiche, in denen der Frauenanteil schon heute besonders hoch ist. Eine Ausweitung und Stärkung dieses Sektors würden also auch die Chancen von Frauen auf dem Arbeitsmarkt und die dortigen Arbeitsbedingungen verbessern.

Natürlich stoßen solche Ansätze aktuell in weiten Teilen der Politik auf eine fast reflexartige Gegenwehr, die in erster Linie die „Nicht-Finanzierbarkeit“ in den Raum stellt, während zugleich eine Milliarden-Euro-schwere (und äußerst klimaschädliche!) Remilitarisierung als „alternativlos“ bezeichnet und bedenkenlos vorangetrieben wird. Auch das kann wütend machen!

Denn gerade in dieser Argumentationslinie zeigt sich der Zusammenhang zwischen Klimakrise und patriarchalen Denkmustern allzu deutlich. Beides schadet den Menschen – und zwar allen Geschlechtern – in vielfacher Hinsicht.

Dies sind gute Gründe zum Internationalen Frauentag gemeinsam auf die Straße zu gehen. Immer mehr Menschen stellen sich hinter die Forderungen nach Geschlechtergerechtigkeit. Daher ist das Veranstaltungsprogramm des 8.März-Bündnisses inzwischen auch ein bunter Mix aus Angeboten, bei denen Frauen unter sich bleiben können, Aktionen für die queere Community und Veranstaltungen, zu denen sich alle Menschen herzlich eingeladen fühlen können.

Hier findet Ihr das komplette Programm: https://www.braunschweig.de/politik_verwaltung/fb_institutionen/fachbereiche_referate/ref0150/8._Maerz.php

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Frieda