Seit 2019 sind die Parents for Future in Braunschweig aktiv in Braunschweig. Sie haben die Fridays for Future bei zahlreichen Klima-Demos unterstützt, mit Info-Ständen, Veröffentlichungen und Aktionen immer wieder über die Klima-Krise informiert. Mit zahlreichen Bürgerinnen und Bürgern haben sie gesprochen, um zu sensibilisieren und zu aktivieren. Seit Ende letzten Jahres haben sie vermehrt mit Vertreterinnen und Vertretern der Politik das Gespräch gesucht. Uschi und Doro von den Parents for Future haben uns von ihren Erfahrungen erzählt.
Was hat euch veranlasst, Politikerinnen und Politiker anzusprechen? Was war dabei das Ziel?
Uschi: Uns sind diese Gespräche überaus wichtig, weil wir finden, dass der Klimaschutz trotz aller Wenns und Abers vorangebracht werden muss. Wir wollen, dass die Politiker das mitnehmen in ihre Partei und in ihre Gremien. Wir wollen deutlich machen, wie sehr Menschen immer noch für das Thema brennen, und dass wir uns weiterhin berechtigte Sorgen machen.
Mit welchen Gesprächen habt ihr gestartet?
Uschi: Im letzten Jahr haben wir uns bereits mit Dr. Pantazis von der SPD und Frau Sabine Kluth von den Grünen getroffen. Dr. Pantazis war im Gespräch sehr offen und bot an, sich wieder mit uns zu treffen. Frau Kluth stellte aktuellen Stand der Mobilitätswende in Braunschweig dar und zeigte uns auch die Hürden auf, die ein Vorankommen in Braunschweig erschweren. Sie legte uns nahe, mit weiteren Menschen aus der Braunschweiger Politik das Gespräch zu suchen. In diesem Jahr haben wir uns im Februar mit Frau von Gronefeld und Torsten Wendt von der CDU getroffen.
Die CDU ist ja nicht unbedingt ein Vorreiter in Sachen Klimaschutz. Welchen Eindruck hattet ihr?
Doro: Als umweltpolitische Sprecherin ist Frau von Gronefeld schon sehr nah an dem Thema dran und zeigte sich sehr aufgeschlossen. Sie versorgt ihre Partei zum Beispiel mit entsprechenden aktuellen wissenschaftlichen Studien. Sie berichtete, dass in den letzten Jahren in der Stadtverwaltung ein stetiges Umdenken in Sachen Klima stattgefunden hat. Aber auch, dass die Stadt in Sachen öffentlicher Häuser (Sanierung, Energetisierung, Umwelt- und Klimaschutz) viel früher und energischer als Vorbild hätte vorangehen müssen, damit die Bevölkerung in Sachen Klimaschutz überzeugt werden und mitgehen kann.
Sie berichtete auch von Gesprächen mit Landwirten, die Pächter von städtischen Flächen sind und gefragt wurden, ob sie Teile der Flächen als Brachflächen zur Verfügung stellen würden. Darüber hinaus zeigte sie sich der Idee sogenannter „Tiny Forests“ gegenüber sehr interessiert.
Was ist unter Tiny Forests zu verstehen?
Uschi: Das sind Mini-Wäldchen-Grünflächen im urbanen Raum. Sie gelten als ein sehr effektiver Weg, um dem Klimawandel entgegenzuwirken und die Qualität des Wohnumfelds zu verbessern. Wir hatten auch schon gemeinsam mit dem Biologen Francois Bao Gespräche mit der Stadtverwaltung hierzu. Künftig sollen in Braunschweig auch Exkursionen zu dem Thema angeboten werden.
Das klingt spannend, doch noch einmal zurück zu euren Gesprächen: Gab es noch weitere?
Doro: Unser letztes Gespräch fand mit Herrn Dr. Plinke von den Grünen statt. Hier ging es noch einmal um den Ausbau einer klimafreundlichen Mobilität. Wegen der katastrophalen Finanzlage der Kommunen wird es auf eine Einschränkung oder gar Einstellung einzelner Linien hinauslaufen. In Zeiten des Klimawandels ist das natürlich kontraproduktiv und verhindert eine klimafreundliche Mobilität. Eigentlich müsste ein verlässlicher öffentlicher Verkehr für die Menschen in der Region oberste Priorität haben. Es sollte alles dafür getan werden, um den Bürgern eine Alternative zum Auto zu bieten. Herr Dr. Plinke sprach auch über das Veloroutennetz, an dem noch sehr viel gearbeitet werden muss, um Radfahrern sichere Fahrradwege zu bieten. Wegfallende Anwohnerparkplätze für einen Radweg an der Helmstedter Straße sorgen allerdings für Proteste vonseiten der betroffenen Bürger.
Er sprach auch die Feinmobilität an. Die beinhaltet: Rollschuhe, Inline Skates, Skateboards, Tretroller o.ä. Des weiteren Fahrräder, Lastenräder, Velomobile, Rollstühle, Elektromobile für Senioren. Das heißt, viele könnten, wenn sie denn wollten, andere Arten der Mobilität nutzen. Das Ziel im Braunschweiger Mobilitätsentwicklungsplan (MEP) ist es, bis 2035 eine CO2 Reduktion von 67% zu erreichen. Dies gelingt nur, wenn man einen Großteil der Bürger überzeugen kann, auf das Auto weitestgehend zu verzichten und auf andere Mobilitätsarten auszuweichen. Es war ein sehr interessantes und informatives Gespräch.
Wollt ihr diese Gespräche fortsetzen?
Uschi: Ja, es ist bereits ein weiteres Gespräch mit Herrn Bratmann von der SPD geplant. Es ist wichtig, deutlich zu machen, dass wir als Bürgerinnen und Bürger die Umsetzung der Braunschweiger Klimaschutzziele verfolgen und kritisch begleiten. Schließlich geht es um unsere Zukunft. Aber wir haben auch noch andere Pläne. Am 16. April laden wir zum Beispiel zu einem Vortrag ins Nachhaltigkeitszentrum ein. Die Ingenieurin Ellen Gerdes wird über Kipppunkte im Klimasystem referieren.
Herzlichen Dank und weiterhin viel Durchhaltekraft für euer Engagement!