Treibhausgasneutrale Wärmeversorgung für Braunschweig

Treibhausgasneutrale Wärmeversorgung für Braunschweig

Am Dienstag, 9.4.2024 fand die Podiumsdiskussion zum Thema „Treibhausgasneutrale Wärmeversorgung für Braunschweig“ organisiert von Fridays for Future, Students for Future und GermanZero Braunschweig statt.
Die Veranstaltung war mit 100 Gästen gut besucht. Diese Anzahl war schon beachtlich angesichts des auf den ersten Blick eher trockenen Themas. Aber die Relevanz war dann wohl doch ein Magnet. Denn die Dekarbonisierung der Fernwärme ist der größte Hebel bei der Erreichung der städtischen Klimaziele.

Die Veranstaltung begann mit Vorträgen zum aktuellen Stand der Kommunalen Wärmeplanung, zu den Plänen von BS Energy bezüglich Klimaneutralität sowie zur Wärmewende in Hannover.

Anschließend gab es moderierte Fragen an die Gäste Jens-Uwe Freitag, Vorstandsvorsitzender der Braunschweiger Versorgungs-AG & Co. KG (BS-ENERGY), Thomas Gekeler, Fachbereichs-Leitung Umwelt der Stadt Braunschweig, Dr. Jens Clausen, Borderstep Institut Hannover, und Wiebke Hansen, Umweltinstitut München, sowie die Gelegenheit für Fragen aus dem Publikum.

Hatten sich die Veranstaltenden so wie die Gäste erhofft, einen klaren Plan zu hören, wie die Klimaziele der Stadt mithilfe einer ambitionierten Wärmewende erreicht werden sollen, so wurden sie sicherlich enttäuscht.

Zwar vermittelte Jens-Uwe Freitag als Vorstandvorsitzender von BS Energy den Eindruck, sich der Größe der Aufgabe bewusst zu sein und stellte Pläne vor, die in den nächsten Jahre eine Erweiterung des Anlagenparks beinnhalten, zum Beispiel durch E-Kessel oder Wärmepumpen. Konkrete Pläne, das Verbrennen fossiler Energieträger zu beenden, wurden nicht präsentiert.

So ist heute schon klar, dass die aktuelle Planung bis 2035 und darüber hinaus nur auf eine bilanzielle Klimaneutralität ausgerichtet ist. Das Ziel wird also nur über Kompensationen an anderer Stelle, z.B. Co2-Zertifikate, erreicht. Die große Unbekannte bei der gesamten Vorhabenplanung von BS Energy ist, ob ab 2035 möglicherweise (grüner) Wasserstoff für das Gaskraftwerk Mitte verfügbar ist. Herr Clausen vom Borderstep Institut Hannover zeigte sich hierzu sehr skeptisch.

Herr Gekeler wurde gebeten, zur Diskrepanz zwischen der städtischen Zielsetzung, nämlich der Treibhausgasneutralität bis 2030, und der von BS Energy (Ziel-Jahr: 2035), Stellung zu nehmen. Herr Gekeler erklärte, es sei das Ziel der Stadt, „möglichst schnell“ treibhausgasneutral zu werden. Das Ziel-Jahr 2030 ist eher als Willensbekundung zu verstehen. Man habe nicht auf alle Faktoren einen direkten Einfluss.

Herr Clausen zeigte für Hannover Alternativen zur Verbrennung durch nachhaltige Wärmegewinnung und ein deutlich höheres Umsetzungstempo auf. Er hatte zudem einen praktischen Vorschlag an die Stadt und BS Energy, nämlich eine (online) Info Stelle für die Bürger und Bürgerinnen einzurichten, die darüber informiert, wie konkret der Ausbau von Fernwärme an der jeweiligen Adresse aussehen wird.

Frau Hansen forderte die Braunschweiger Bevölkerung auf, ständig kritisch nachzufragen und Lösungen einzufordern: das haben die Anwesenden an diesem Abend ausgiebig getan.

Herr Clausen wünschte sich für Braunschweig einen mutigen Vorstandsvorsitzenden der Stadtwerke, der in der Lage ist, die „guten von den schlechten Lösungen“ unterscheiden zu können.

Was während des Abends nicht aufgeklärt werden konnte, war die Verfügbarkeit von Wasserstoff, der daraus resultierende Preis der Fernwärme sowie ein konkreter Plan, Treibhausgasneutralität zu erreichen.

Herr Clausen benannte das Problem in dieser Weise: Da sind Menschenan der Umsetzung der Transformation beteilgt, die seit Jahrzehnten damit leben und arbeiten, dass Wärme durch Verbrennung erzeugt wird, und denen muss jetzt klar werden, dass sich das ändern muss.

Wie langwierig dieses Umdenken und die erforderliche Transformation unter Umständen dauern kann, davon bekam man an diesem Abend nur eine eine Ahnung. Deutlich wurde, wie weit die Erwartungen des anwesenden Publikums und die politische und unternehmerische Realität auseinander liegen.

Den Veranstaltenden ist es mit dieser Podiumsdiskussion gelungen, den Stand der Wärmewende in Braunschweig auf die Bühne zu bringen und der interessierten Öffentlichkeit zu präsentieren. Insofern war der Abend ein voller Erfolg und ein guter Start für eine gesamtstädtische Diskussion. Um das Thema in die Breite der Bevölkerung zu tragen, bedarf es sicher noch weiterer Formate. Ob dann der Druck durch eine wachsame Öffentlichkeit, durch die engagierten Klimabewegung, die Stimmen der Fachleute und die zunehmend spürbaren Folgen der Erderwärmung ausreichen werden, die Akteure aus Politik, Verwaltung und Stadtwerken ins Handeln zu bringen, wird die Zukunft zeigen. Zu der Forderung „Die Fernwärmeversorgung muss ohne fossile Energieträger auskommen!“ wird es letztendlich keine Alternative geben.

Sind für Dich auch nach der Podiumsdiskussion Fragen offengeblieben?
Dann schick sie gerne an: braunschweigzero@posteo.de

Die Fragen werden gesammelt an die Podiumsgäste weitergeleitet und über die Antworten wird in einem Newsletter informiert.





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Paula