{"id":553,"date":"2020-04-03T10:25:06","date_gmt":"2020-04-03T10:25:06","guid":{"rendered":"https:\/\/fuerimmerfreitag.de\/?p=553"},"modified":"2024-05-16T10:56:15","modified_gmt":"2024-05-16T08:56:15","slug":"solidarische-landwirtschaft-solidarische-gesellschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fuerimmerfreitag.de\/?p=553","title":{"rendered":"Solidarische Landwirtschaft &#8211; Solidarische Gesellschaft"},"content":{"rendered":"<p>Leicht haben es die kleinen Betriebe unserer regionalen Landwirtschaft in den letzten Jahren nicht gehabt: Hitzesommer und Extremwetterlagen, die umstrittene Verteilung von \u00a0EU-F\u00f6rdermitteln (80% der Gelder flie\u00dfen an nur 20% der landwirtschaftlichen Betriebe), sowie die Konkurrenz durch importierte Billig-Lebensmittel. Nun k\u00e4mpfen die B\u00e4uerinnen und Bauern wie viele andere Branchen mit den Folgen des Corona-Virus. Durch das Ausbleiben zahlreicher Saisonarbeiter fehlt die notwendige Unterst\u00fctzung bei der Ernte, eigene Erkrankungen auf dem Hof k\u00f6nnen existenzbedrohend sein.<\/p>\n<p>Es ist ein wichtiger Zeitpunkt, sich hier als Gesellschaft wachsam und solidarisch zu zeigen. Denn es geht ja nicht nur um die finanzielle Unterst\u00fctzung und den Erhalt einzelner Betriebe: Es geht um die regionale Versorgung mit Lebensmitteln. So haben die klimaaktiven jungen Menschen von Fridays for Future Braunschweig bereits wie viele andere Menschen auch Hilfe bei der Ernte angeboten.<\/p>\n<p>Aber nicht nur junge Menschen sind in dieser Situation gefordert. F\u00fcr uns alle ergibt sich in dieser Extrem-Situation eine gute Gelegenheit, die regionale Landwirtschaft in den Blick zu nehmen.<\/p>\n<p>Wie geht es den landwirtschaftlichen Betrieben rund um Braunschweig? Ich habe mal auf dem Wochenmarkt herumgeh\u00f6rt. Die meisten Marktverk\u00e4ufer*innen klangen zufrieden. Der Druck durch m\u00f6gliche Erkrankungen und durch den Ausfall der polnischen und rum\u00e4nischen Saisonarbeiter sei gerade in Bezug auf die anstehende Spargel-Ernte fraglos da, aber zugleich h\u00f6rte ich eine deutliche Anerkennung gegen\u00fcber der Braunschweiger Stadtverwaltung, die in diesen schwierigen Zeiten das Marktwesen zumindest f\u00fcr Nahrungsmittel aufrecht erh\u00e4lt.<\/p>\n<p>\u201eDie Menschen sind dankbar, dass wir sie weiterhin zuverl\u00e4ssig mit Lebensmitteln versorgen. Das ist sp\u00fcrbar, und das tut uns gut!\u201c, erz\u00e4hlt eine der Marktfrauen.<\/p>\n<p>Das Marktleben unter freiem Himmel scheint f\u00fcr alle Anwesenden eine wohltuende Abwechslung zu sein. Wenn auch mit einem disziplinierten Abstand voneinander werden Witze und Neuigkeiten ausgetauscht. Die alte Dame aus dem Mietshaus, die sich schon gar nicht mehr in den Supermarkt traut, wird am Fleischerei-Stand mit Namen begr\u00fc\u00dft. Ein bisschen soziales Leben in isolierten Zeiten.<\/p>\n<p>\u201eHeute brauche ich etwas mehr als sonst\u201c, erz\u00e4hlt die K\u00e4uferin stolz. Sie will f\u00fcr die Enkelkinder Gulasch kochen.<\/p>\n<p>Ach, bekommt sie also lieben Besuch?<\/p>\n<p>Nein, das geht nat\u00fcrlich nicht. Die Schwiegertochter holt den Suppentopf ab und abends wird telefoniert. Die Not macht erfinderisch.<\/p>\n<p>Aber zur\u00fcck zur regionalen Landwirtschaft. Einer der Marktverk\u00e4ufer bietet frisches Gem\u00fcse an, das in erster Linie aus kleinen Familienbetrieben rund um Braunschweig stammt. \u201eWenn dort jemand erkrankt, schlie\u00dft der ganze Hof. Das ist eine Katastrophe. Aber zurzeit k\u00f6nnen wir alle mit dem Umsatz sehr zufrieden sein. Ist ja klar, die Leute haben Zeit, sie kochen selber, anstatt essen zugehen und g\u00f6nnen sich gerne frisches Gem\u00fcse.\u201c<\/p>\n<p>Ja, da kommt man auf den Geschmack. Und wer sich erst einmal an knackiges frisches Gem\u00fcse gew\u00f6hnt hat, f\u00fcr den sind weitgereiste w\u00e4ssrige Tomaten und in Plastik geschwei\u00dfte Gummigurken keine echte Alternative mehr. Da spart man vielleicht doch lieber an einer anderen Ecke.<br \/>\nAlso meine Empfehlung: Nutzt die Braunschweiger M\u00e4rkte \u2013 nicht nur in Krisenzeiten! Am besten mit eigenen Einkaufsbeuteln und mit Blick auf die Produkte, die aus \u00f6kologischer Landwirtschaft stammen. So k\u00f6nnen wir die regionalen Betriebe unterst\u00fctzen, die Klimaschutz und Landwirtschaft bereits miteinander verkn\u00fcpfen. Die Termine und Orte f\u00fcr die Wochenm\u00e4rkte sind auf der Braunschweig-Seite ver\u00f6ffentlicht unter: <a href=\"http:\/\/www.braunschweig.de\/leben\/einkaufen_maerkte\/wochenmaerkte\/index.php\">http:\/\/www.braunschweig.de\/leben\/einkaufen_maerkte\/wochenmaerkte\/index.php<\/a>.<\/p>\n<p>Wer nicht selber auf den Markt gehen will, f\u00fcr den gibt es die Lieferdienste von \u00f6kologischen Betrieben, frische Gem\u00fcsekisten, die direkt an die Haust\u00fcr gebracht werden. Allerdings ist auch hier zurzeit ein corona-bedingter Boom zu verzeichnen. Man kann sich derzeitig allenfalls auf die Warteliste setzen lassen.<\/p>\n<p>In jedem Fall ist es f\u00f6rderlich f\u00fcr beide Seiten, Produzent*innen wie auch Konsument*innen, wenn Stadt und Land wieder enger zusammenr\u00fccken und voneinander profitieren. Als Konsument*innen sind <em>wir<\/em> die Absatzm\u00e4rkte f\u00fcr die umliegenden H\u00f6fe und sorgen durch ein zuverl\u00e4ssiges Kaufverhalten f\u00fcr Planungssicherheit, und dadurch unterst\u00fctzen wir die Betriebe, die uns dann durch so manche Krise \u201ef\u00fcttern\u201c k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Eine noch engere Bindung zwischen Erzeugung und Verbrauch bietet die \u201eSolidarische Landwirtschaft\u201c. In immer mehr Regionen wandeln sich H\u00f6fe in Solidargemeinschaften unterschiedlicher Auspr\u00e4gung.<\/p>\n<p>Bei Solidarischer Landwirtschaft (SoLaWi) werden die Lebensmittel nicht mehr \u00fcber den Markt vertrieben, sondern flie\u00dfen in einen eigenen, durchschaubaren Wirtschaftskreislauf, der von den Verbraucher*innen mit organisiert und finanziert wird.<\/p>\n<p>Dabei gibt es teilweise M\u00f6glichkeiten zur Mitarbeit in Hofl\u00e4den oder bei der Ernte, gemeinsame Veranstaltungen, Versammlungen und Gremien. Vorteile f\u00fcr die H\u00f6fe sind dabei eine gesicherte Abnahme der Produkte und ein finanziell gemeinsam getragenes Risiko.<\/p>\n<p>Auf jeden Fall st\u00e4rken solche Gemeinschaften den Zusammenhalt zwischen den erzeugenden und den konsumierenden Menschen. Die Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr die landwirtschaftlichen Produkte w\u00e4chst, wie auch das Bewusstsein f\u00fcr die Wichtigkeit der regionalen Versorgung. In der Umgebung von Braunschweig gibt es bereits zwei \u201eSoLaWis\u201c, n\u00e4mlich in Dahlum und Kneitlingen. Mitglieder werden noch gesucht!<\/p>\n<p>Krisenzeiten k\u00f6nnen uns die Augen \u00f6ffnen: F\u00fcr das, was wirklich wichtig ist, daf\u00fcr, wie abh\u00e4ngig wir voneinander sind, daf\u00fcr, wie wir gemeinsam Herausforderungen meistern k\u00f6nnen. Neben vielen anderen Berufsgruppen, deren Bedeutung uns gerade durch diese Krisenzeit endlich deutlich wird, ist die regionale Versorgung mit Lebensmitteln ohne Zweifel \u00fcberaus \u201esystemrelevant\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Leicht haben es die kleinen Betriebe unserer regionalen Landwirtschaft in den letzten Jahren nicht gehabt: Hitzesommer und Extremwetterlagen, die umstrittene Verteilung von \u00a0EU-F\u00f6rdermitteln (80% der Gelder flie\u00dfen an nur 20% der landwirtschaftlichen Betriebe), sowie die Konkurrenz durch importierte Billig-Lebensmittel. Nun k\u00e4mpfen die B\u00e4uerinnen und Bauern wie viele andere Branchen mit den Folgen des Corona-Virus. 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