{"id":3912,"date":"2025-04-03T14:02:55","date_gmt":"2025-04-03T12:02:55","guid":{"rendered":"https:\/\/fuerimmerfreitag.de\/?p=3912"},"modified":"2025-04-03T14:02:56","modified_gmt":"2025-04-03T12:02:56","slug":"film-urgewald-auf-den-spuren-des-geldes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fuerimmerfreitag.de\/?p=3912","title":{"rendered":"Film: \u201eurgewald: Auf den Spuren des Geldes\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p>Der preisgekr\u00f6nte Dokumentarfilm \u201eurgewald: Auf den Spuren des Geldes\u201c erz\u00e4hlt die Geschichte von urgewald. Er zeigt, wie vor gut 30 Jahren eine Hand voll Aktivist*innen an einem WG-Tisch den Grundstein f\u00fcr den Erfolg legten. Und, wie urgewald von einem kleinen Verein zu einer schlagkr\u00e4ftigen Organisation gewachsen ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Universum-Kino zeigt den Film am Montag, 7.4.um 19:00 Uhr<\/strong>. <strong>Anschlie\u00dfend gibt es ein Filmgespr\u00e4ch mit Regisseurin Karin Wejdling und urgewald.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn Natur zerst\u00f6rt, Klimaziele missachtet und Menschenrechte gebrochen werden, stehen dahinter stets Verantwortliche in Politik und Unternehmen \u2013 und viel Geld.\u00a0Seit 1992 offenbart die Umwelt- und Menschenrechtsorganisation mit Sitz in Sassenberg die Geldquellen hinter zerst\u00f6rerischen Projekten. Die Arbeit der NGO bewirkt ein Umdenken bei Banken und Konzernen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Film sprechen Wegbegleiter*innen wie <strong>J\u00fcrgen Trittin, Claudia Kemfert und Luisa Neubauer<\/strong> \u00fcber die Erfolge und die Bedeutung der NGO. Die Dokumentation wurde beim F\u00fcnf Seen Filmfestival mit dem <strong>Horizonte-Filmpreis<\/strong> geehrt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie Leistung von urgewald ist es, immer wieder Licht ins Dunkel zu bringen, wie wirklich \u00f6konomische Entscheidungen getroffen werden\u201c, sagt Ole von Uexk\u00fcll im Film, der Direktor der Stockholmer Right Livelihood Award Stiftung, die den so genannten \u201eAlternativen Nobelpreis\u201c vergibt. Solche Recherchen seien eine Grundlage f\u00fcr demokratische Kontrolle.<\/p>\n\n\n\n<p>urgewald ist inzwischen regelm\u00e4\u00dfiger Gast auf den UN-Klimakonferenzen. Dort stellen die urgewald-Mitarbeiter*innen neueste Erkenntnisse aus ihren Recherchen zur fossilen Industrie vor \u2013 diese Recherchen offenbaren, wie uns Unternehmen aus den Branchen Kohle, \u00d6l und Gas mit ihren Expansionspl\u00e4nen immer tiefer in die Klimakrise hineintreiben. Ein Beispiel ist die neueste Gro\u00dfrecherche von urgewald, die Global Oil &amp; Gas Exit List \u2013 die umfangreichste \u00f6ffentlich zug\u00e4ngliche Datenbank zur globalen \u00d6l- und Gasindustrie. Sie zeigt, dass fast alle F\u00f6rderunternehmen der Branche derzeit dabei sind neue fossile Quellen anzuzapfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das besondere Rezept im Kampf gegen Missst\u00e4nde f\u00fcr Umwelt und Menschenrechte&nbsp; war von Beginn an die Arbeit mit \u00fcberzeugenden Fakten zu den Geldgebern zerst\u00f6rerischer Vorhaben. Das Offenlegen von Finanzstr\u00f6men, dies wurde zum einzigartigen Markenkern der jungen NGO urgewald: <strong>\u201eFollow the money\u201c.<\/strong>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem Erfolg wuchs auch die Organisation. Im Jahr 2002 er\u00f6ffnete urgewald ein B\u00fcro in Berlin, im Jahr 2007 bezogen die Mitarbeiter*innen in Sassenberg die frisch renovierte Zentrale. Doch urgewald erlebte auch Krisenjahre. Als mehrere Stiftungen ihre Finanzierung einstellten, verzichteten die Mitarbeiter*innen auf einen Teil ihrer Geh\u00e4lter, damit urgewald weitermachen konnte. Die Organisation \u00fcberstand die Krise, neue Spender*innen kamen hinzu und die Finanzlage stabilisierte sich.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wichtiger Teil von urgewald sind heute auch Verbraucher*innenkampagnen. Hier geht es nicht darum, Konzerne oder Politik zu bewegen, sondern Menschen \u201eauf der Stra\u00dfe\u201c: Sie k\u00f6nnen zum Beispiel mit der Entscheidung f\u00fcr eine <strong>ethisch orientierte Bank<\/strong> oder einen <strong>\u00d6kostromanbieter<\/strong> einen Unterschied machen und Druck aus\u00fcben.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum wiederkehrenden Ritual ist bei urgewald der <strong>Besuch von Konzern-Hauptversammlungen <\/strong>geworden. Vor den versammelten Aktion\u00e4r*innen \u00fcbt urgewald, gemeinsam mit Betroffenen aus dem Ausland, dann Kritik an zerst\u00f6rerischen Gesch\u00e4ften des jeweiligen Unternehmens \u2013 seien es Energiekonzerne wie RWE, Banken wie die Deutsche Bank oder Versicherer wie die Allianz. Dies ist ein wichtiges Instrument im Werkzeugkasten von urgewald, um den \u00f6ffentlichen Druck auf die Verantwortlichen zu erh\u00f6hen. W\u00e4hrend diese Briefe auch mal ignorieren k\u00f6nnen, m\u00fcssen sie w\u00e4hrend der Hauptversammlung auf offener B\u00fchne Rede und Antwort stehen \u2013 auch zu unangenehmen Fragen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Sehr wichtig sind dabei die Redebeitr\u00e4ge der Menschen, die direkt von den Gesch\u00e4ften der Unternehmen betroffen sind. Einer davon ist Branislav Kapetanovic, ein fr\u00fcherer Minenr\u00e4umer aus Serbien. Er hat beim Einsatz durch Streumunition Arme und Beine verloren \u2013 und setzt sich seitdem f\u00fcr ein Verbot dieser besonders perfiden Waffengattung ein. Im Jahr 2011 hielt er eine Rede bei der Hauptversammlung der Deutschen Bank, die sich damals weigerte die Finanzierung von Streumunition zu beenden.<\/p>\n\n\n\n<p>Einer der wichtigsten Meilensteine von urgewald in j\u00fcngerer Zeit ist die weitgehende Abkehr des m\u00e4chtigen Norwegischen Pensionsfonds, einer der gr\u00f6\u00dften Staatsfonds der Welt, vom Klimakiller Kohle. Ein Schl\u00fcsselmoment der Kampagne war eine Anh\u00f6rung von urgewald-Mitarbeiter*innen zusammen mit Partner*innen aus Kohle-betroffenen L\u00e4ndern vor dem norwegischen Parlament. Die G\u00e4ste aus aller Welt f\u00fchrten den Parlamentarier*innen vor Augen, wie stark die Kohleunternehmen, in die ihr Pensionsfonds investiert war, vor Ort die Umwelt zerst\u00f6ren und die Gesundheit der Menschen gef\u00e4hrden. Die Bilder von vergifteten Fl\u00fcssen, verpesteter Luft und verw\u00fcsteten Landschaften beeindruckten die Entscheidungstr\u00e4ger*innen in Norwegen tief.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die daf\u00fcr n\u00f6tigen Finanzdaten hatte urgewald in kleinteiliger, f\u00fcnfmonatiger Recherche erarbeitet, bei der die Mitarbeiter*innen die rund 8.000 Firmen im Anlageportfolio des Pensionsfonds analysierten. W\u00e4hrend die Verantwortlichen des Pensionsfonds der Meinung waren, sie seien kaum in Kohle investiert, belehrte urgewald sie auf Basis dieser Recherche eines Besseren: Tats\u00e4chlich hatte der Fonds Milliarden in diesen zerst\u00f6rerischen Sektor investiert. Ein massiver Widerspruch zu den eigenen ethischen Standards des Fonds. Die urgewald-Erkenntnisse konnten das Norwegische Parlament \u00fcberzeugen: Der Fonds f\u00fchrte im Juni 2015 neue Ausschlusskriterien ein, um gro\u00dfe Kohlefirmen zu verbannen. Dazu geh\u00f6rte auch RWE aus Deutschland.<\/p>\n\n\n\n<p>urgewald stellte fest, dass es den Entscheidungstr\u00e4ger*innen des Pensionsfonds an Wissen gefehlt hatte, um Kohlefirmen als solche zu erkennen. Eine Wissensl\u00fccke, die, wie sich herausstellte, in der gesamten Finanzindustrie bestand. Aus dieser Erkenntnis erwuchs die Idee f\u00fcr eine noch viel umfassendere Datenbank: Eine Datenbank zu s\u00e4mtlichen gro\u00dfen Kohlefirmen weltweit \u2013 um damit der Finanzindustrie erstmals ein effektives Werkzeug zum Ausstieg aus Kohle an die Hand zu geben: <strong>Die Global Coal Exit List.<\/strong> Agnes Dieckmann aus der Gr\u00fcnderinnen-Generation von urgewald sagt: \u201eWir machen schon manchmal Dinge, die sehen gr\u00f6\u00dfenwahnsinnig aus. Aber man braucht diese Vision, dass wir Dinge wirklich ver\u00e4ndern k\u00f6nnen. <strong>Warum sollte man von vornherein denken, es geht nicht? Lasst uns doch besser dar\u00fcber nachdenken, was geht.<\/strong>\u201c Und so sagt nun selbst ein <strong>Finanzexperte von MSCI<\/strong>, einem der wichtigsten globalen Finanzdienstleister: \u201eWir haben bisher einen ganz gro\u00dfen Teil des Bildes in unserer Kohle-Politik \u00fcbersehen.\u201c Durch urgewald konnten solche Finanz-Giganten Kohleunternehmen \u2013 vor allem solche, die Expansionsprojekte vorantreiben \u2013 erstmals klar erkennen und aus ihrem Gesch\u00e4ft ausschlie\u00dfen.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>urgewald ist personell und strukturell stark gewachsen. Inzwischen besch\u00e4ftigt urgewald zahlreiche junge Recherche- und Daten-Profis, vor allem im stark vergr\u00f6\u00dferten Berliner B\u00fcro. Insgesamt arbeiten derzeit rund 60 Menschen bei der Organisation. Den gewaltigen Wissensschatz aus 30 Jahren Kampagnenerfahrung m\u00f6chte urgewald nun gezielt in die Welt tragen: In der neuen <strong>\u201eFinance Campaigner School\u201c<\/strong> k\u00f6nnen Aktivist*innen aus aller Welt sich in Finanz-Kampagnenstrategien schulen lassen, um vor Ort ihr Wissen zum Schutz von Umwelt und Menschenrechten einzusetzen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Klima-Aktivistin<strong> Luisa Neubauer<\/strong> sagt zusammenfassend zur Arbeit von urgewald: \u201eSie ist ein absoluter Game Changer. Wir k\u00f6nnten diejenigen, die alles geben, um noch den letzten Tropfen \u00d6l aus dieser Welt rauszupressen, nicht kriegen, wenn wir nicht verstehen, wo die sind und was die genau machen wollen. Es ist urgewald, es ist Heffa, die das m\u00f6glich machen, dass wir das verstehen. Und dann all dieses Wissen nutzen und losziehen und k\u00e4mpfen.\u201c\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Fest steht: 30 Jahre nach der Gr\u00fcndung ist urgewald in neuer Gr\u00f6\u00dfe schlagkr\u00e4ftiger denn je. Das Prinzip \u201eFollow the money\u201c hat urgewald zum Hebel f\u00fcr Ver\u00e4nderung etabliert. Im Kampf f\u00fcr eine bessere Welt wird urgewald auch in Zukunft nicht lockerlassen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Auf den Spuren des Geldes f\u00fcr Umwelt und Menschenrechte - TRAILER\" width=\"780\" height=\"439\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/yN-rH6WGhek?start=1&#038;feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der preisgekr\u00f6nte Dokumentarfilm \u201eurgewald: Auf den Spuren des Geldes\u201c erz\u00e4hlt die Geschichte von urgewald. 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