{"id":2064,"date":"2022-03-11T17:44:06","date_gmt":"2022-03-11T17:44:06","guid":{"rendered":"https:\/\/fuerimmerfreitag.de\/?p=2064"},"modified":"2026-03-04T15:09:49","modified_gmt":"2026-03-04T14:09:49","slug":"klimaschutz-und-geschlechtergerechtigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fuerimmerfreitag.de\/?p=2064","title":{"rendered":"Klimaschutz und Geschlechtergerechtigkeit"},"content":{"rendered":"<p>Geschlechtsspezifische Aspekte der Klimakrise? Was soll das? Trifft die Klimakrise nicht uns alle gemeinsam?<\/p>\n<p>Der Internationale Frauentag 2022 war auch in Braunschweig ein Anlass, um am 8. M\u00e4rz auf die Stra\u00dfe zu gehen. Ein langer, lauter Demo-Zug f\u00fchrte durch die Innenstadt. In Sprechch\u00f6ren, aber auch in den Redebeitr\u00e4gen machten vor allem j\u00fcngere Frauen \u2013 darunter auch eine Vertreterin der Fridays for Future-Bewegung &#8211; deutlich, dass die Forderung nach Geschlechtergerechtigkeit heutzutage weit \u00fcber die Forderungen nach Lohngleichheit und Gewaltschutz hinausgehen.\u00a0 Die aktuellen Krisen sind eng mit der Benachteiligung von Frauen verkn\u00fcpft.<\/p>\n<p>Auch die 66. UN-Frauenkommission, die im M\u00e4rz 2022 in New York tagt, wird unter das Thema gestellt: <a href=\"https:\/\/www.unwomen.de\/informieren\/die-frauenrechtskommission-der-vereinten-nationen\/66-sitzung-der-frk.html\"><u>Gleichstellung der Geschlechter und St\u00e4rkung der Rolle aller Frauen und M\u00e4dchen im Rahmen des Klimawandels, der Umwelt und der Katastrophenvorsorge<\/u>.<\/a><\/p>\n<p>Warum dieser Zusammenhang so wichtig ist, m\u00f6chte ich an drei Aspekten erl\u00e4utern:<\/p>\n<ol>\n<li><strong>Geschlechtsspezifische Folgen der Klimakrise<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p><em>\u201eNicht erst seit der Covid-19 Pandemie wissen wir, dass Extremereignisse, wie Kriege, Vertreibung, Flucht, Naturkatastrophen oder Pandemien, sich auf Frauen und M\u00e4dchen besonders negativ auswirken und die bestehenden Ungleichheiten vertiefen.\u201c (<\/em>UN women Statement, 2022)<\/p>\n<p>Global gesehen sind Hunger und Flucht die bereits offensichtlichsten Folgen des fortschreitenden Klimawandels. Hier sind Frauen in vielfacher Hinsicht besonders betroffen. Zum einen sind sie nach wie vor in der Regel f\u00fcr die Versorgung der schw\u00e4cheren Familienangeh\u00f6rigen mit zust\u00e4ndig. Im globalen S\u00fcden liegt sowohl die Nahrungsmittelherstellung wie auch die Versorgung der Familie mit sauberem Trinkwasser in der Verantwortung von Frauen. Beides wird durch den Klimawandel erschwert und beeintr\u00e4chtigt zunehmend die Gesundheit insbesondere von Kindern und Frauen. Hinzu kommt, dass Frauen in Kriegen und auf der Flucht in besonderem Ma\u00df Gewalt und sexueller Ausbeutung ausgesetzt sind. Auch in diesen Extremsituationen obliegt den Frauen oft zus\u00e4tzlich die Sorge um Familienangeh\u00f6rige, was ein Erreichen sicherer Zufluchtsorte f\u00fcr viele unm\u00f6glich macht. Weltweit sind mehr Frauen und Kinder als M\u00e4nner auf der Flucht, sie erreichen aber zu einem weitaus geringeren Anteil ein sicheres Aufnahmeland.<br \/>\nDiese besondere Betroffenheit von Frauen ist nicht nur in den L\u00e4ndern au\u00dferhalb von Europa sp\u00fcrbar. Auch bei uns versch\u00e4rft jede Krise die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern, versch\u00e4rft die Situation f\u00fcr die in der Sorgearbeit T\u00e4tigen (80% Frauen) und l\u00e4sst die Gewalt gegen\u00fcber Frauen und Kindern ansteigen. Nur ein bewusster Blick auf die geschlechtsspezifischen Auswirkungen gesellschaftlicher Ver\u00e4nderungen und gezielte Gegenma\u00dfnahmen k\u00f6nnen dieser Entwicklung entgegenwirken.<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li><strong>Geschlechtsspezifische Ursachen der Klimakrise<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>In unserem Artikel <u>\u201e<a href=\"https:\/\/fuerimmerfreitag.de\/?p=2023\">Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit<\/a>\u201c<\/u> haben wir bereits beschrieben, wie der Aussto\u00df klimasch\u00e4dlicher Treibhausgase (der pers\u00f6nliche Klima-Fu\u00dfabdruck) und Reichtum miteinander verkn\u00fcpft sind. Dies m\u00f6chte ich um den Geschlechteraspekt erweitern. Die zehn reichsten Menschen der Welt sind M\u00e4nner. W\u00e4hrend der Pandemie haben sie ihr Verm\u00f6gen verdoppelt. Frauen stellen die H\u00e4lfte der Weltbev\u00f6lkerung, leisten 75% aller Arbeitsstunden, beziehen aber nur 10% aller Einkommen und verf\u00fcgen \u00fcber 1% allen Besitzes. 70% aller von Armut betroffenen Menschen weltweit sind Frauen. Eine Oxfam-Studie kommt zu dem Ergebnis: <em>\u201eWenn die reichsten M\u00e4nner morgen 99,99 Prozent ihres Verm\u00f6gens verlieren w\u00fcrden, w\u00e4ren sie immer noch reicher als 99 Prozent aller Menschen auf dem Planeten.\u201c<\/em><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.globalcitizen.org\/de\/content\/oxfam-inequality-report-2022-billionaires-covid-19\/\">https:\/\/www.globalcitizen.org\/de\/content\/oxfam-inequality-report-2022-billionaires-covid-19\/#<\/a>!<\/p>\n<p>Ein so immenser Reichtum bedeutet nicht nur einen entsprechend hohen CO2-Fu\u00dfabdruck, sondern ein riesiges Potential, wirkungsvolle Ma\u00dfnahmen gegen den fortschreitenden Klimawandel zu finanzieren und soziale Not und Hunger zu verhindern. Bei den reichen M\u00e4nnern dieser Welt stehen jedoch leider eher Anschaffungen wie teure klimasch\u00e4dliche Yachten, Fl\u00fcge ins Weltall und profittr\u00e4chtige Investitionen auf der Agenda.<\/p>\n<p>Dem gegen\u00fcber stehen die ungez\u00e4hlten normal- und geringverdienenden Menschen (Hier finden wir dann wieder Frauen in der Mehrheit!), die sich in ihrem arbeitsreichen Alltag um fleischarme Ern\u00e4hrung, klimafreundliche Mobilit\u00e4t und einen sparsamen Energieverbrauch bem\u00fchen.<br \/>\nDie Bereitschaft, das eigene Alltagsleben den Anforderungen, die sich aus dem Klimawandel ergeben, anzupassen, ist bei Frauen im Durchschnitt h\u00f6her als bei M\u00e4nnern, die finanziellen M\u00f6glichkeiten hierzu aber zugleich erheblich geringer.<\/p>\n<p>Beim Vorbereitungstreffen zur 66. Frauenrechtskommission wurde ein geschlechtsspezifischer Unterschied im Umgang mit den klimabedingten Herausforderungen etwas plakativ so formuliert: \u201eM\u00e4nner suchen nach technischen L\u00f6sungen, Frauen \u00e4ndern ihr Leben.\u201c Dieser \u00fcberspitzte Satz soll nicht die Leistungen und das Engagement von M\u00e4nnern im Klimaschutz leugnen oder herabsetzen. Vielmehr soll er deutlich machen, dass ein Mehr an Geschlechtergerechtigkeit dem Klimaschutz zu Gute k\u00e4me. Und davon w\u00fcrden wieder alle profitieren.<\/p>\n<p>3.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<strong> Frauen als Motor f\u00fcr Klimaschutz und Frieden<\/strong><\/p>\n<p>Weltweit engagieren Frauen sich f\u00fcr Frieden und Klimaschutz, oftmals unter prek\u00e4ren und lebensbedrohenden Bedingungen. Auch in der deutschen Klimabewegung spielen Frauen eine ma\u00dfgebliche, wichtige Rolle. Ohne sie w\u00e4re die Fridays for Future-Bewegung gar nicht vorstellbar.<\/p>\n<p>Sowie es jedoch in die h\u00f6heren Sph\u00e4ren geht, dorthin, wo nicht nur die redegewandte mitrei\u00dfende Stimme auf der Demo, das kreative Organisationstalent und der unerm\u00fcdliche Einsatz vor Ort gefragt sind, sondern ma\u00dfgebliche politische Richtungsentscheidungen mit globalen Auswirkungen diskutiert und verabschiedet werden, &#8211; dort wird der Frauenanteil wieder d\u00fcnn. Insbesondere Frauen aus dem globalen S\u00fcden \u2013 also die am meisten betroffene Gruppe \u2013 ist bei Klimakonferenzen eklatant unterrepr\u00e4sentiert.<\/p>\n<p>Das gleiche Bild zeichnet sich auch in Friedensprozessen ab. Dabei fordert die <a href=\"https:\/\/www.peacewomen.org\/SCR-1325\"><u>UN-Resolution 1325<\/u><\/a> seit \u00fcber 20 Jahren, dass Frauen auf allen Ebenen der institutionellen Verh\u00fctung, Bew\u00e4ltigung und Beilegung von Konflikten zu beteiligen sind. Frauen sollen bei allen Entscheidungen \u00fcber Krieg und Frieden einbezogen und die Genderperspektive ber\u00fccksichtigt werden. Dabei geht es nicht nur um einige wenige Frauen in Machtpositionen, sondern um die Perspektive der Zivil-Bev\u00f6lkerung. Studien belegen, dass eine Beteiligung von Frauen und Frauenprojekten an Friedensprozessen die Chance auf eine dauerhafte Wirkung der erarbeiteten Beschl\u00fcsse um 35% erh\u00f6ht.<\/p>\n<p>Der Umkehrschluss ist: <strong>Frauen aus den internationalen Entscheidungsprozessen herauszuhalten, ist eine Gefahr f\u00fcr das Klima und f\u00fcr den Weltfrieden.<\/strong> Die Forderung nach Geschlechtergerechtigkeit auf allen Ebenen des gesellschaftlichen und politischen Miteinanders steht nicht nur im engen Zusammenhang zum dringend erforderlichen Klimaschutz, sondern wird mehr und mehr zu einer elementaren Voraussetzung f\u00fcr unser gemeinsames \u00dcberleben auf diesem Planeten.<\/p>\n<p><em>(Das Beitragsbild entstand bei der Friedens-Demo, zu der Fridays for Future am 3. M\u00e4rz aufgerufen haben.)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geschlechtsspezifische Aspekte der Klimakrise? Was soll das? Trifft die Klimakrise nicht uns alle gemeinsam? 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