{"id":1349,"date":"2020-11-19T18:09:30","date_gmt":"2020-11-19T18:09:30","guid":{"rendered":"https:\/\/fuerimmerfreitag.de\/?p=1349"},"modified":"2024-05-16T11:08:23","modified_gmt":"2024-05-16T09:08:23","slug":"seetang-und-algen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fuerimmerfreitag.de\/?p=1349","title":{"rendered":"Seetang und Algen"},"content":{"rendered":"<p>Tasmanien ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Hotspot. Die Temperatur steigt hier viermal schneller als im globalen Durchschnitt. Seit einigen Jahren untersucht die Universit\u00e4t von Tasmanien in einer eigens angelegten Algenfarm 16 verschiedene Seetangarten, z.B. auf ihr Wachstum in verschiedenen Wassertemperaturen.<\/p>\n<p>Dies ist eine Szene aus dem <a href=\"https:\/\/www.madmanfilms.com.au\/2040film\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>Film &#8222;2040&#8220;<\/strong><\/a>.<\/p>\n<p>Die hohen Temperaturen bereiten dem Seetang Schwierigkeiten. Daher wird k\u00e4lteres Wasser aus tieferen Schichten nach oben gepumpt. Dicht unter der Oberfl\u00e4che wird auf beweglichen Plattformen <strong>Seetang<\/strong> angebaut. Je l\u00e4nger der Seetang wird, desto tiefer wird die Plattform nach unten gezogen, so dass die oberen Enden immer knapp unter der Oberfl\u00e4che sind. Eine der Arten w\u00e4chst einen halben Meter am Tag und wird etwa 50 Meter lang. Sie ist damit die am schnellsten wachsende Pflanze der Welt. Entsprechend gro\u00df ist die Menge an CO<sub>2<\/sub>, die durch Photosynthese gebunden wird. Tausende Tonnen CO<sub>2<\/sub> pro km<sup>2<\/sup> pro Jahr k\u00f6nnen auf diese Weise der Atmosph\u00e4re entzogen und in Biomasse umgesetzt werden.<br \/>\n(Der entsprechende Ausschnitt aus dem Film kann \u00fcbrigens <strong><a href=\"https:\/\/youtu.be\/SCNb2ad1J9A\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a> <\/strong>angeschaut werden.)<\/p>\n<p>Aber k\u00f6nnen solche Projekte tats\u00e4chlich helfen die Klimakrise zu entsch\u00e4rfen?<\/p>\n<p>Auch in Norddeutschland gibt es 14 Erzeuger, die Algen f\u00fcr die unterschiedlichsten Zwecke anbauen. Sie stellen damit Europas gr\u00f6\u00dfte Algenproduktion. So werden zu Beispiel Mikroalgen f\u00fcr Nahrungsmittel hergestellt. Bekannt in der Nahrungsmittelindustrie sind unter anderem Spirulina und Chlorella, die reich an pflanzlichem Eiwei\u00df, essentiellen Aminos\u00e4uren, Eisen und Vitaminen sind.<br \/>\nAber auch Tierfutter, kosmetische Produkte oder nat\u00fcrlicher Farbstoff k\u00f6nnen aus Algen hergestellt werden.<\/p>\n<p>Die hierbei gebundenen Mengen an CO<sub>2<\/sub> sind nat\u00fcrlich vergleichsweise gering und in der Klimabilanz zu vernachl\u00e4ssigen. Au\u00dferdem: werden Algen zu Futter oder kurzlebigen Produkten verarbeitet, ist das CO<sub>2<\/sub> sofort wieder im Biokreislauf.<\/p>\n<p>Das ist auch das Problem an dem Beispiel aus Tasmanien: Es ist toll, dass tausende Tonnen CO<sub>2<\/sub> der Atmosph\u00e4re entzogen werden. Aber je nachdem was dann mit den Algen passiert, kann diese Menge an CO<sub>2<\/sub> auch schnell wieder freigesetzt werden. Auch gilt es, die Relation im Auge zu behalten: Im Jahr 2012 wurden 9,7 Gigatonnen (Gt) Kohlenstoff, bzw. 35,6 Gt CO<sub>2<\/sub> aus der Verbrennung fossiler Energietr\u00e4ger und durch die Zementherstellung freigesetzt. (1 Gt = 1.000.000.000 t)<\/p>\n<p>Um der Erderw\u00e4rmung entgegenzuwirken m\u00fcssen weitaus <strong>gr\u00f6\u00dfere Mengen\u00a0<\/strong>CO<sub>2<\/sub> gebunden und vor allem <strong>dauerhaft (!) der Atmosph\u00e4re entzogen<\/strong> werden.<\/p>\n<p>Dies ist zum Beispiel dann der Fall, wenn aus Algen Baustoffe hergestellt werden, die den Kohlestoff auf viele Jahre binden.<\/p>\n<p>An der <strong>TU M\u00fcnchen<\/strong> wurde im vergangenen Jahr genau so ein Verfahren entwickelt. Auch der aktuelle Weltklimabericht (<a href=\"https:\/\/www.de-ipcc.de\/media\/content\/SR1.5-SPM_de_181130.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>IPCC Special Report on Global Warming of 1.5 \u00b0C<\/strong>) <\/a>weist auf verschiedene Technologien hin, mit denen Kohlenstoff der Atmosph\u00e4re entzogen und dauerhaft abgeschieden werden kann. Er stuft sie als global relevant ein, wenn es um die Netto-Kohlenstoffsenke geht.<\/p>\n<p>Der Prozess sieht \u2013 vereinfacht gesagt &#8211; so aus: Im ersten Schritt wandeln die Algen das CO<sub>2<\/sub> aus der Atmosph\u00e4re (oder direkt aus Kraftwerken oder Abgasen) in Algen\u00f6l um. Im zweiten Schritt werden dann aus dem Algen\u00f6l <strong>Carbonfasern<\/strong> hergestellt.<\/p>\n<p>Nun gibt es weitere m\u00f6gliche Schritte:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Carbonfasern k\u00f6nnen mit Kunststoffen zu Verbundmaterialien zusammengef\u00fchrt und so leichte und strapazierf\u00e4hige Werkstoffe hergestellt werden. Diese sind geeignet f\u00fcr alle Standardprozesse im <strong>Flugzeug- und Automobilbau<\/strong>. Am Ende ihres Lebenszyklus k\u00f6nnten diese Carbonfasern in leere Kohlefl\u00f6ze eingelagert werden.<\/li>\n<li>Auch in der <strong>Bauindustrie<\/strong> lassen sich diese Carbonfasern nutzen: Durch ihre hohe Stabilit\u00e4t kann mit Carbonfasern verst\u00e4rkter Granit als Tr\u00e4ger eingesetzt werden. So kann Baustahl ersetzt und Zement gespart werden. Dies ist wichtig, da gerade bei der Produktion von Zement viel CO<sub>2<\/sub> emittiert wird. Die CO<sub>2<\/sub>-Bilanz der Bauindustrie w\u00fcrde sich durch den konsequenten Einsatz der Fasern deutlich verbessern.<\/li>\n<\/ul>\n<p>In beiden Anwendungsf\u00e4llen wird der Atmosph\u00e4re der Kohlenstoff auf lange Sicht entzogen.<\/p>\n<p>All diese positiven Aspekte d\u00fcrfen uns nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass das Einsparen von Treibhausgasen und der Umstieg auf Erneuerbare Energien die oberste Priorit\u00e4t haben m\u00fcssen. Zumal sich die meisten dieser Technologien noch in der Entwicklung befinden und\u00a0 aktuell noch nicht im gro\u00dfen Ma\u00dfstab zur Verf\u00fcgung stehen.<br \/>\nTrotzdem ben\u00f6tigen wir dringend auch solche Technologien, die uns helfen, CO<sub>2<\/sub> wieder zu binden und die CO<sub>2<\/sub>-Bilanzen kritischer Lebensbereiche zu verbessern: Hin zu einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft der Zukunft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tasmanien ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Hotspot. 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