{"id":1220,"date":"2020-09-24T18:26:51","date_gmt":"2020-09-24T18:26:51","guid":{"rendered":"https:\/\/fuerimmerfreitag.de\/?p=1220"},"modified":"2024-05-16T11:05:39","modified_gmt":"2024-05-16T09:05:39","slug":"klimagerechtigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fuerimmerfreitag.de\/?p=1220","title":{"rendered":"Klimagerechtigkeit"},"content":{"rendered":"<p>Die Klimakrise trifft Bev\u00f6lkerungsgruppen besonders hart, die am wenigsten zu ihrer Entstehung beigetragen haben. Und sie haben weniger Ressourcen, sich dagegen zu wehren.<\/p>\n<p>Die Industrienationen des globalen Nordens<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>, die fast alleine f\u00fcr den Klimawandel verantwortlich sind, verf\u00fcgen \u00fcber weitaus mehr finanzielle Mittel und Technologien, um sich vor den jetzt bereits eingetretenen globalen Folgen des Klimawandels \u00a0wie Hitze, \u00dcberschwemmungen, Erntesch\u00e4den und Extremwetterlagen zu sch\u00fctzen. Der Ausbau dieser Ressourcen war und ist allerdings f\u00fcr das Fortschreiten des Klimawandels selbst ma\u00dfgeblich verantwortlich, denn der Wohlstand der Industrienationen beruht insbesondere auf der Nutzung fossiler Energietr\u00e4ger.<\/p>\n<p>Einige interessante Zahlen finden sich in diesem Video: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ipVxxxqwBQw\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ipVxxxqwBQw<\/a><\/p>\n<p>Unsere Lebensweise steht in einem direkten Zusammenhang mit den in weiten Teilen prek\u00e4ren Lebensumst\u00e4nden im globalen S\u00fcden.<br \/>\nIn vielen Regionen des Globalen S\u00fcdens herrschen bereits heute Hunger und Armut. Der fortschreitende Klimawandel wie auch die weiter stattfindende Zerst\u00f6rung der Umwelt versch\u00e4rfen die schwierigen Lebensbedingungen, vernichten die Lebensgrundlagen und Lebensweisen zahlloser Menschen. Die Bev\u00f6lkerungen dieser bedrohten Landstriche haben aber die gleichen Grundrechte wie wir, z.B. ein Anrecht auf Nahrung, sauberes Wasser, medizinische Versorgung und Selbstbestimmung.<\/p>\n<p>Sie haben dar\u00fcber hinaus das gleiche Recht wie wir auf wirtschaftliche und industrielle Entwicklung und auf Wohlstand. W\u00fcrden diese Nationen diese Entwicklung aber auf demselben Weg beschreiten wie wir, w\u00fcrde dies wieder \u00fcberm\u00e4\u00dfige und f\u00fcr die gesamte Menschheit unertr\u00e4gliche Emissionen von Treibhausgasen bedeuten.<\/p>\n<p>Aus der Perspektive der Gleichberechtigung ist es daher ungerecht von L\u00e4ndern des globalen S\u00fcdens dieselbe Einsparung von Emissionen zu verlangen und \u00fcber eine global betrachtet gleichm\u00e4\u00dfige Verteilung der pro-Kopf-Emissionen zu sprechen, da dies bedeutet ihnen eine entsprechende Entwicklung zu verwehren.<\/p>\n<p><strong>Aber wie kann das Problem dann gel\u00f6st werden?<\/strong><\/p>\n<p>Die Klima-Gerechtigkeits-Bewegung fordert, dass diejenigen Staaten, die ma\u00dfgeblich zum Klimawandel beigetragen haben, die Ausbeutung anderer L\u00e4nder und planetarer Ressourcen endlich beenden und stattdessen in besonders hohem Ausma\u00df zum Klimaschutz weltweit beitragen. Aber auch, dass sie mit finanzieller Hilfe und technologischem Austausch andere L\u00e4nder unterst\u00fctzen. Es geht um Verantwortung f\u00fcr bereits angerichtete Sch\u00e4den und bereits get\u00e4tigte Emissionen und um Solidarit\u00e4t.<\/p>\n<p>Der Begriff <strong>Klimagerechtigkeit <\/strong>ist angelehnt an den Begriff <strong>Umweltgerechtigkeit.<\/strong><\/p>\n<p>Schon seit vielen Jahrzehnten ist es g\u00e4ngige Praxis, dass die b\u00fcrgerliche Mittel- und Oberschicht daf\u00fcr sorgt, dass beispielsweise Sonderm\u00fclldeponien, Fabriken oder Kraftwerke aus ihrem unmittelbaren Lebensumfeld au\u00dfen vor bleiben und bevorzugt in der N\u00e4he der Wohngebiete \u00e4rmerer Menschen bzw. indigener Reservate platziert werden, damit sie unbehelligt von den Nebenprodukten ihres Konsums wie M\u00fcll, Radioaktivit\u00e4t sowie Luft- und Wasserverschmutzung leben, arbeiten und ihre Freizeit genie\u00dfen k\u00f6nnen. Diese Praxis, zu der auch z.B. der Export von M\u00fcll in die L\u00e4nder des globalen S\u00fcdens geh\u00f6rt, wird Umweltrassismus genannt. Zu den betroffenen Menschen geh\u00f6ren h\u00e4ufig schwarze, indigene und benachteiligte Gemeinschaften. Ihre Wehr gegen diese Umst\u00e4nde formte als Gegenst\u00fcck zum Umweltrassismus den Begriff Umweltgerechtigkeit.<\/p>\n<p>Anders als die Umweltbewegung, die ausschlie\u00dflich die Umweltzerst\u00f6rung an sich im Blick hat, stellt die Umweltgerechtgkeitsbewegung auch soziale und \u00f6konomische Auswirkungen in den Vordergrund.<\/p>\n<p>Der <strong><a href=\"https:\/\/ejatlas.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Environmental Justice Atlas<\/a><\/strong> dokumentiert und katalogisiert soziale Konflikte in Umweltfragen.<br \/>\nZiel ist es, die Mobilisierung der Umweltgerechtigkeitsbewegungen sichtbarer zu machen und f\u00fcr eine echte unternehmerische und staatliche Rechenschaftspflicht einzutreten.<br \/>\nDie Plattform dient auch als virtueller Raum f\u00fcr diejenigen, die an Umweltgerechtigkeits-Themen arbeiten, um Informationen zu erhalten, andere Gruppen zu finden, die an verwandten Themen arbeiten, und die Sichtbarkeit von Umweltkonflikten zu erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Auf einer Weltkarte lassen sich Standorte zu Spezialthemen wie Fracking, Landnahme oder Bergbaukonflikte in S\u00fcdamerika aufrufen. Die F\u00e4lle k\u00f6nnen nach Kategorien (Wasser, M\u00fcll, fossile Energien, Landnahme, Privatisierung) oder L\u00e4ndern recherchiert werden.<\/p>\n<p>So ist dort z.B. auch die <strong><a href=\"https:\/\/ejatlas.org\/conflict\/occupation-of-the-hambacher-forst-against-brown-coal-mining-germany\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Besetzung des Hambacher Forstes<\/a><\/strong> dokumentiert.<\/p>\n<p>Aufgrund der Verflechtung von \u00f6kologischen, sozialen und \u00f6konomischen Interessen ist eine globale Transformation nur dann m\u00f6glich, wenn Umweltschutz mit Konzepten wie DeGrowth (also dem Gegenteil von wirtschaftlichem Wachstum), Gemeinwohl\u00f6konomie, De-Kolonialisierung und Anti-Rassismus mit der Achtung der Menschenrechte und Geschlechtergerechtigkeit, mit Forderungen nach \u00f6kologischem Landbau, Fairem Handel einem global nachhaltigen und gerechten Wirtschaftssystem Hand in Hand geht.<\/p>\n<p>Klimagerechtigkeit beschreibt daher die Erkenntnis, dass das Abwehren der drohenden Klimakatastrophe nur funktionieren kann, wenn die globalen Machtverh\u00e4ltnisse und die ungerechte Verteilung von Ressourcen beendet werden.<\/p>\n<p>Klimagerechtigkeit beleuchtet also nur ganz nebenbei unsere besondere Verantwortung gem\u00e4\u00df dem Verursacherprinzip entstandene Sch\u00e4den wiedergutzumachen und neue Sch\u00e4den zu verhindern.<\/p>\n<p>Wir werden unsere planetaren Lebensgrundlagen nur dann nachhaltig sch\u00fctzen k\u00f6nnen, wenn wir die Gleichberechtigung aller Menschen und das Recht auf ein gutes Leben f\u00fcr alle als unbedingtes Ziel verfolgen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> \u201eMit dem globalen S\u00fcden wird eine im globalen System benachteiligte gesellschaftliche, politische und \u00f6konomische Position beschrieben. Globaler Norden hingegen bestimmt eine mit Vorteilen bedachte, privilegierte Position. Die Einteilung verweist auf die unterschiedliche Erfahrung mit Kolonialismus und Ausbeutung, einmal als Profitierende und einmal als Ausgebeutete.\u201c (Quelle: https:\/\/sinaintansania.wordpress.com\/2019\/08\/04\/globaler-sueden-globaler-norden\/)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Klimakrise trifft Bev\u00f6lkerungsgruppen besonders hart, die am wenigsten zu ihrer Entstehung beigetragen haben. Und sie haben weniger Ressourcen, sich dagegen zu wehren. 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